• Aus der Geschichte Weidenbachs (XIII) - Uwe Konst

    Die ältesten Weidenbächer Bruderschaftsordnungen
    Fortsetzung (Teil II) von Dietmar Plajer

    Der zweite Teil der „Einrichtung und Gesetzte der Brüderschaftsordnung zu Weidenbach 1791“ beschreibt die Aufgaben der Amtsknechte und der Mitglieder der Bruderschaft. Für den Alt- bzw. den Beyknecht, den Vertreter des Altknechts, waren es zwei Punkte: Die Bedeutung des eigenen Vorbildes für die Verwirklichung ihrer Aufgaben wurde ihnen vor Augen gestellt. Das andere war die Aufgabe, die „Ungesitteten, Unordentlichen und Bösen“ (B, I.2) sowie die Ungehorsamen zu bestrafen.
    Die an den Aufmerker gestellten Anforderungen waren vielfältiger. Zunächst stand dort, dass er des Schreibens kundig sein müsse (B, II.1), was sich eigentlich von selbst versteht. Seine sicher undankbare Hauptaufgabe war es, „alles, was wider die Gesetzte von irgend einem gemeinen Bruder geschieht zu bemerken, zu Hause aufzuschreiben und bei dem öffentlichen Zugang öffentlich vorzulesen“ (B, II.2). Der Aufmerker musste ein tadelloses Aufführen haben und bei Abwesenheit eine Vertretung für sich bestellen (B, II.4-5). „Sollte ihm erwiesen werden, dass er bei der Bezeichnung der Straffälligen mit Vorsatz partheyisch handele, so wird (er) also gleich, nach der Erkenntnis des Knechtvaters und des Alt- und Beyknechts abgesetzt und ein anderer an seiner Stelle erwählt.“ (B, II. 6)
    Alle Bruderschaftsmitglieder waren verpflichtet, „dem Knechtvater und dem Amtsknechten...gehorsam zu seyn.“(B, III.1) Konnte einmal jemand den Gottesdienst nicht besuchen, so hatte er sich im voraus beim Knechtvater oder einem der Amtsknechte zu entschuldigen, andernfalls hatte er folgende Beiträge zu zahlen (B, III.2): Für eine Predigt 4 Denar, für das Singen 2, für die Betstunde 1, für das Examen 6 und für die Vesper 5 Denar. Verspätetes Erscheinen zum Gottesdienst kostete 1 Denar Strafe (B, III.3). Vorsätzliches Schlafen während der Predigt wurde mit drei Denar bestraft (B, III.4). Reden während der Predigt kostete 2 und während des Gebets 4 Denar Strafe (B, II. 5-6). Wer auf andere schlug, sie stieß oder sich mit ihnen raufte, hatte 6 Denar Strafe zu zahlen (B, II.9). Die gleiche Strafe wurde auch von jemandem erhoben, der vor, während oder nach dem Gottesdienst auf dem Kirchhof lärmte (B, III.14). Versäumte jemand den Gottesdienst und zog stattdessen das Schankhaus vor, zahlte er ein Pfund Wachs, kam er betrunken zum Gottesdienst, wurde er mit zwei Pfund Wachs bestraft (B, III.15-16).
    Zur Frage nach dem Verfasser der „Einführung und Gesetzte der Brüderschaft zu Weidenbach 1791“ lässt sich folgendes sagen: Das es in einigen der Burzenländer Gemeinden schon ähnliche Ordnungen gab, wird die vorliegende wohl von einer anderen Gemeinde übernommen und nur an de lokalen Gegebenheiten angepasst worden sein. Diese Anpassung werden wir dem damaligen Pfarrer zuschreiben dürfen. Das war Johannes (oder Johann Roth). Er war am 24. März 1745 in Kronstadt geboren worden, hatte seine Studien an dem bekannten von Honterus gegründeten Gymnasium seiner Vaterstadt begonnen und dann in Jena fortgesetzt. Beruflich ging er den üblichen Weg: er begann als Lehrer an einer Schule (1770), wurde 1775 Lektor am Honterus-Gymnasium, dessen Leitung er im Jahre 1782 übernahm. 1785 wurde er Stadtprediger an der Schwarzen Kirche bis er im Sommer 1788 das Pfarramt in Weidenbach übernahm. Von hier wechselte er 1792 in das Heldsdörfer Pfarramt, wo er am 02. Februar 1794 verstarb.
    Wie schon oben erwähnt, wurde im Jahre 1808 die „Ordnung der ersten oder älteren Bruderschaft in Weidenbach“ als ein Acht-Seiten-Druck herausgegeben. Die Unterschiede zur Bruderschaftsordnung aus 1791 liegen am Anfang und am Ende der neuen Ordnung. Anscheinend war der Redaktor mit der ethnischen Begründung der alten Ordnung nicht zufrieden und versuchte eine algemeingültige, theologische Begründung in seinem als „Vorerinnerung“ bezeichneten Vorwort. Seinen Anlauf startete er auch von der Aussage des Paulus in 1. Kor. 14,33, wo Gott sich als Gott der Ordnung erweist, der sich in seiner gesamten Schöpfung bezeugt hat. „Alle seine Verfassungen, Gesetzte, Führungen und Geschäfte zeugen in allen dreyen Reichen seiner unumschränkten Herrschaft von seiner Weisheit, welche auf die allerhöchste Ordnung gründet.“ Während die Absicht des Verfassers, Gottes Ordnung in der Schöpfung aufzuweisen durchaus gelungen erscheint, hat er Mühe, das gleiche auch in Gottes Gnaden-Reich aufzuweisen. Ein drittes Reich kommt überhaupt nicht mehr in Sicht. Die „Vorerinnerung“ schließt dann mit der Nennung der Amtsleute, die hinter der Neuordnung standen:
    „In reiflicher Erwegung alles dessen, haben wir unten genanndte, Pfarrer, Hann, Rathsverwandte, Wortmann und Aeltesten als Vorsteher der christlichen Gemeinde und Königlichen Dorfs Weidenbach bey vielfältig eingerissen Verfall und Unordnung unter unserer lieben Jugend, uns einmüthig und gemeinschaftlich in herzlich liebe gedrungen gefunden, ihnen folgende heilsame Sitten und Ordnungen ihres Wandels und Bezeigens vorzustellen, nach Gesetz zu verhalten haben sollen; davon die Gehorsamen Ehre und Lob, die Widersprechenden aber Schande und Strafe mit ernstlicher Ahndung zu gewarten haben werden.“
    In Weidenbach blieben auch nach der neuen Ordnung zwei Bruderschaften bestehen: eine jüngere, mit einem Eintrittbeitrag von 12 Denar und eine ältere mit einem Eintrittsbeitrag in doppelter Höhe. Die Gliederung in der neuen Ordnung geschah nicht nach Nummern, sondern nach Paragraphen. Die Strafen für die Fehlverhalten waren weiter differenziert: die Schere zwischen den kleinen strafbaren Handlungen und den großen öffnete sich wesentlich weiter. Für das Versprechen zum Gottesdienst war 1 Denar vorgesehen, der Besuch des Gottesdienstes in trunkenem Zustand kostete 30 Denar Strafe, das Sitzen während des Gottesdienstes im Schankhaus wurde mit 24 Denar bestraft, wer sich in der Kirche zankte oder gar schlug, hatte 15 bzw. 12 Denar zu zahlen.

    Die drei letzten Paragraphen tragen liturgisch-seelsorgerlichen Charakter: Bis Ende des Jahres sollte jeder aus der Bruderschaft, der das heilige Mahl empfangen wollte, sich bis Donnerstag vorher beim Herrn Pfarrer dafür anmelden, am Samstag an der Vorbereitungsvesper teilnehmen und dann konnte er am Samstag an den Tisch des Herren treten (§ 11).

    „Sollte ein Bruder in einem halben Jahr nicht zum heiligen Abendmahl gehen, der ist deswegen vom Obervorsteher freundlich und ernstlich zu erinnern und nach erheischender Noth dem Herr Pfarrer anzuzeigen; verachtet er aber solche leibliche Ermahnung, so soll er zur Bruderschaft, Kindstaufen und anderen christlichen Werken nicht zugelassen werden, er bessere sich denn rechtschaffen“ (§ 12).

    Ein letzter Unterschied zwischen den beiden Bruderschaftsordnungen besteht hinsichtlich der Verwendung des als Strafe eingenommen Geldes. In der Ordnung aus 1791 wird vorgeschlagen, einen Teil des vorhandenen Geldes dem Knechtvater und den Amtsknechten als Neujahrgeschenk zu überreichen. Demgegenüber meinte der Verfasser der Bruderschaftsordnung von 1808 in § 13:
    „Wenn sich ein Bruder mit Ehren verheyrathet, so soll er zum Zeugniß der Liebe und seines Wohlverhaltens von der Bruderschaft eine gemeinschaftliche Hochzeitsgabe aus der Lade empfangen, welche ein Bruderschafts-Verwandter ihm überbringen soll, dem der Bräutigam alsdenn mit Ehren begegnen wird, auf das also Ehre, Liebe und Freundschaft bey der anwachsenden Bürgerschaft gefördert und erhalten werde.“
    Fragt man nach dem möglichen Verfasser der Ordnung von 1808, so wird man wieder an den Pfarrer denken. Dies war vom 18.02.1798 bis zu seinem Tode am 28.12.1811 Johann Georg Kleinkauf (nach I.F. 66 Archiv Sch. Kirche, S. 62).
    (eingesandt von Uwe Konst)