• Aus der Geschichte Weidenbachs (XVII) - Uwe Konst

    Es ist erfreulich, dass auch fast zehn Jahre nach Erscheinen der Ortsmographie diese nach wie vor gelesen wird – und zwar sehr genau! Johann Oyntzen schreibt im Februar 2008: „Mit viel Freude habe ich das Buch gelesen! Habe 2 Fehler festgestellt: Tabelle der Ackerbauschüler Seite 237 ist das Schuljahr von Karl Römer falsch angegeben. Er war mit mir 1927/28 in der Marienburger Ackerbauschule! … Feuerwehrbild Seite 321: Der Fahnenträger, obere Reihe rechts neben der Fahne ist Thoams Oyntzen (mein Vater) und nicht Martin Schmidts Marktgasse.“ Besten Dank an Herrn Oyntzen für seine Korrekturen. Weitere Hinweise auf Fehler in der Ortsmonographie werden ebenso gerne entgegengenommen wie Ergänzungen.
    Ein Thema, welches in der Ortsmonographie nicht dargestellt ist, sind die in Weidenbach bis zum Zweiten Weltkrieg tätigen Stiftungen, Fonds und Legate. Es gab einen Stiftungsfonds, einen Bibliotheksfonds, einen Kriegswaisen- und Armenfonds, das Foitsche Legat, einen Fonds für Schulreisen und einen für Friedhofszwecke. Und es gab wahrscheinlich deren mehr; diese Auflistung ist sicherlich keine abschließende. Wer weiß mehr über diese für die Gemeinschaft in Weidenbach so wichtigen Einrichtungen? Hinweise bitte an: Uwe Konst, In der Beun 8, 55595 Argenschwang.
    Der nachfolgende Beitrag über den aus Weidenbach stammenden Martin Schneider ist in den „Lebensräumen“ Nr. 11 vom August 2009 erschienen. Er wurde leicht gekürzt. Die „Lebensräume“ sind die Zeitschrift der Honterusgemeinde in Kronstadt; sie enthalten besinnliche Beiträge, Artikel zum Gemeindeleben, zu musikalischen und sonstigen Veranstaltungen, Artikel über Bibliothek und Archiv der Schwarzen Kirche sowie zur Geschichte der Stadt und aktuelle Informationen. uk

    Martin Schneider, ein Weidenbächer als Kantor der Schwarzen Kirche
    Von Steffen Schlandt
    Martin Schneider wurde im Jahr 1748 als Sohn des Campanators in Weidenbach geboren und besuchte ab dem Jahr 1761 die Oberklassen des Gymnasiums in Kronstadt. Im Alter von 22 Jahre zieht er nach Pressburg um die Musik zu studieren. Nach seiner Rückkehr nach Kronstadt wird er im Jahr 1772 „Concantor“ an der Schwarzen Kirche und ab dem Jahr 1774 dann „Cantor“ (Director chori), gleichzeitig „collega” am Gymnasium.
    Am 06.07.1773 heiratet er Agnetha Lang, mit der er 10 Kindern haben wird. Martin Schneider ist bis zum 1792 an der Schwarzen Kirche angestellt, danach wird er Prediger an der Blumenauer Kirche und ab dem Jahre 1799 Oberprediger in St. Bartholomä. Er stirbt in Kronstadt an der Wassersucht am 08.02.1812.
    Folgende Werke sind erhalten geblieben:
    1774 Leichenkantate „Ei du frommer Knecht” Musik Archiv der Schwarzen Kirche
    1774 Matthäuspassion („Passions Historie” wie sie abgesungen wird mit neuen Chorälen)
    1802 Kantate auf den „Charfreytag“
    1803 Praktische Tonkunst in 4 Bänden
    1808 Leichen Motette „Die Blume pranget und fällt ab“
    s.d. 5 „schöne“ Praeludium
    1 Walzer
    Folgend Werke gelten vorerst als verschollen
    1776 Kantate „So schlafe denn selig”
    s.d. Kantate ”Vater unser Felder Hoffen”
    s.d. Kantate „Lobsinget dem Herrn ihr Glücklichen Beyde“
    Martin Schneider bearbeitete im Jahr 1779 das evangelische Choralbuch in Kronstadt und veränderte etliche Choräle. Danach fand das durch ihn veränderte Choralbuch eine weite Verbreitung in der weiteren Umgebung und wurde erst im Jahr 1900 durch das neue Choralbuch von Rudolf Lassel und J.L.Bella ersetzt.
    Ein interessantes Werk ist seine Matthäus Passion, ein erstes oratorisches Werk größeren Ausmaßes, geschrieben in Kronstadt im Jahre 1774. Sein vielleicht wichtigstes Werk ist ein vierbändiges Compendium: „Grundlage zur Praktischen Tonkunst für jeden Liebhaber, insonderlich für den angehenden Violinspieler, Singer, Klavierspieler und Orgelspieler, der zugleich die Musikalische Composition lernen will“ begonnen am 18. Januar 1803, in „Kronstadt in Siebenbürgen.“ Dieses Werk ist nach dem Tabulaturbuch von Daniel Croner (aus den Jahren 1681-1709) ein weiteres wichtiges Werk der Musiktheorie in Kronstadt. Durch diese beiden wichtigen Manuskripte können wir vieles über das gespielte Repertoire erfahren, über die technischen Möglichkeiten und das Niveau der gebotenen Musik.
    Martin Schneider ist auch ein Gründungsmitglied des COLLEGIUM MUSICUM, einem Verein zur Pflege der Musik außerhalb der gewohnten Orte (Kirchen und Militärkapellen). Dem Verein gehörten Mitglieder des Gymnasiums (Lehrer und Schüler) sowie auch interessierte Laien an. Es wurde zweimal pro Woche geprobt und meistens Samstagnachmittag öffentlich in der Aula des Gymnasiums gespielt.
    Durch seine Schriften und Kompositionen sind uns wichtige Zeugnisse musikalischer Praxis des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts erhalten geblieben. Diese Zeit war für die Orgelmusik von einem Schattendasein hinter den viel effektvolleren orchestralen Kompositionen geprägt.
    In der Musik von Martin Schneider ist einiges von den barocken Vorbildern zu spüren, anderes wiederum atmet den klassischen Geist und hat mehr Eleganz und „Galanterie“. Ein glücklicher Zustand war vielleicht die Aufbruchstimmung im Burzenländer Orgelbau des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Martin Schneider hatte vermutlich ein reges Interesse an den neuen Orgelbauten von Johann Prause (baute Orgeln ab 1780-1800) oder an denen von Johann Thois. Diese (damals) neuen Instrumente eignen sich hervorragend zur Wiedergabe dieser Musik. Interessanterweise wird die Musik von Martin Schneider nach 200 Jahren zu einem Zeitpunkt wiederentdeckt wo genau diese Orgeln restauriert und in ihren Ursprungszustand zurückversetzt werden.