• Aus der Geschichte Weidenbachs (XIX) - Uwe Konst

    In dieser Folge unserer Artikelreihe zur Geschichte von Weidenbach wird eingangs zur Mitwirkung bei der Klärung einer Lücke in der Liste der Weidenbächer Pfarrer aufgerufen. Anschließend wird an Arnold Römer erinnert. Seine hier nachgedruckte Würdigung ist in dem Buch „Zeidner Persönlichkeiten“ erschienen, dessen Band I von Helmuth Mieskes verfasst und 2009 von der HOG Zeiden in der Reihe „Zeidner Denkwürdigkeiten“ herausgegeben wurde. Das Buch stellt 26 markante Zeidner Persönlichkeiten vor und ist bei Rüdiger Zell, Storchenweg 1, 89257 Illertissen, Telefon 07303-900647, eMail: ruedigerzell@web.de erhältlich. uk

    Vakanz der Pfarrstelle in Weidenbach
    In der Liste der evangelischen Pfarrer in Weidenbach klafft eine Lücke zwischen 1941 und 1944; so wird beispielsweise bei „Pfarrer in Weidenbach“ in der Ortsmonographie (S. 208ff.) vermerkt „Stelle unbesetzt“. Um diese lange Vakanz ranken sich Fragen und Gerüchte, die bisher ungeklärt geblieben sind. Das Presbyterium der Kirchengemeinde Weidenbach hat mehrfach – direkt und über das Bezirkskonsistorium – die Besetzung der seit September 1941 vakanten Stelle angemahnt. Vom Landeskonsistorium kam entweder keine Antwort oder es wurde - wie die wenigen dazu vorliegen Unterlagen erkennen lassen – auf Zeit gespielt. Erst 1946 konnte die Pfarrstelle endgültig besetzt werden. Wer kann sich an diese Vorgänge in der Zeit des Zweiten Weltkriegs erinnern? Hinweise bitte an: Uwe Konst, In der Beun 8, 55595 Argenschwang.

    Arnold Römer – letzter Rektor der deutschen Schule in Zeiden
    Während in Kronstadt die Revolution das Straßenbild beherrschte und eine neue Epoche in der Geschichte Rumäniens einleitete, starb in Weidenbach am 24. Dezember 1989 mit Arnold Römer der letzte Rektor der Zeidner Deutschen Schule.
    Arnold Römer wurde am 10. Januar 1915 in Weidenbach geboren. Nach dem Besuch der Volksschule ging er nach Kronstadt ans Honterus-Gymnasium. 1930 wechselte er nach Hermannstadt, um sich am Evangelischen Landeskirchenseminar A.B. zum Lehrer ausbilden zu lassen. Nach dem Erwerb des Abschlussdiploms im Jahr 1934 erweiterte er sein Wissen durch den Besuch eines theologischen Kurses am Evangelischen Seminar, um kurze Zeit später dem Ruf der kleinen Gemeinde Gürteln bei Großschenk zu folgen. Weitere Stationen seiner Lehrertätigkeit waren Burgberg, Agnetheln und Hetzeldorf. Zwischenzeitlich nahm Römer in Brenndorf die Stelle eines Predigers an. Doch 1939 brach der Zweite Weltkrieg aus und vieles veränderte sich in Siebenbürgen. Das hatte verheerende Folgen auch für diejenigen, die den Krieg überleben sollten. Arnold Römer zählte zunächst zu den vermeintlich Glücklichen, dennoch blieb im die Deportation ins Arbeitslager nach Russland im Jahr 1945 nicht erspart.
    Nach seiner Rückkehr aus Makeewka 1948 übernahm er zunächst eine Lehrerstelle in seiner Heimatgemeinde Weidenbach und wurde 1951 Rektor dieser Schule. Im Herbst 1955 erfolgte die Versetzung nach Zeiden, wo ihm bereits 1956 die Rektorenstelle der Deutschen Grundschule übertragen wurde. 1959 vollzog sich mit dem Zusammenschluss der rumänischen und der deutschen Schule zur „Mittelschule Zeiden“ ein überraschender Wandel. Arnold Römer rückte ins zweite Glied und wurde stellvertretender Schuldirektor dieser vereinigten Lehranstalt. Römer war unter anderem zuständig für administrative Bereiche der deutschen und bis 1969 auch der ungarischen Abteilung.
    Der bescheidene und umsichtige Schulleiter unterrichtete bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1975 in den Klassen V bis VIII Geschichte und Naturwissenschaften. Während seiner über zwanzigjährigen Tätigkeit in Zeiden erlebte jeder, der ihn kennen lernte, wie verwachsen er mit der Schule war, wie verantwortungsvoll er mit seiner Leitungsfunktion umging und mit wie viel Begeisterung er den Schülern sein Lieblingsfach Geschichte vermittelte. Besonders viel lag ihm außerdem daran, ihnen gutes Benehmen beizubringen. Er wurde von den Schülern geliebt und hatte für die Fragen der Jugend stets ein offenes Ohr. Deutsche, ungarische und rumänische Kollegen schätzten in gleichermaßen, die Staats- und Schulbehörden achteten ihn.
    Römer war stets ein engagierter Förderer der Schule als Hort deutscher Kulturtätigkeit. Die Gründung eines Schülerorchesters unter Joseph Friedrich Wiener und der Tanzgruppen mit Herta Christel, Frieda Zay und Iris Lingner, die Organisation von Theateraufführungen unter der Regie von Hildegard Wagner sowie die Veranstaltung von Elternabenden und die Durchführung interessanter Schulreisen sind nicht zuletzt auf sein Engagement und seine persönliche Fürsprache zurückzuführen.
    Arnold Römer zählte 1956 zu den Mitbegründern des Literaturkreises „Michael Königes“. Im Rahmen dieser einzigartigen Einrichtung für die deutsche Kulturarbeit in Zeiden hielt Römer die ersten Vorträge und sorgte mit dafür, dass dieser Literaturkreis im Lauf der Jahre an Bedeutung gewann. In der von Hildegard Wagner geleiteten Laienspielgruppe wirkte Arnold Römer nach 1960 als Laiendarsteller aktiv mit. Außerdem trat der dem Zeidner Männerchor bei.
    Besonders gut in Erinnerung behalten werden die Zeidner Arnold Römer als rhetorisch begabten Festredner bei Geselligkeiten des Männerchores und der Blaskapellen, bei der Eröffnung des ersten Zeidner Kronenfestes 1969 auf dem Schulfestplatz sowie bei diversen öffentlichen Schulveranstaltungen.
    Nach seiner Verabschiedung aus dem Schuldienst wirkte Arnold Römer ehrenamtlich als Bezirkskirchenkurator des Kronstädter evangelischen Kirchenbezirks A.B. und nahm in seiner Heimatgemeinde Weidenbach verschiedene öffentliche Funktionen wahr. Als Rentner fand er endlich auch Zeit für sein Hobby, das Gärtnern, mit dem er seine Naturverbundenheit und die Liebe zu den Blumen lebte.
    Arnold Römer hat sein Wirken stets in den Dienst der Erziehung gestellt und viele Jahrgänge auf ihrem Weg durch die Schule begleitet. Sein Leben widmete er seinen Mitmenschen.