• Geschichtlicher Überblick Weidenbachs

    15 Deutsche Siedlungen überlebten, bis heute im Burzenland die Stürme der Zeit.

    - Brenndorf
    - Heldsdorf
    - Honigberg
    - Kronstadt
    - Marienburg
    - Neustadt
    - Nußbach
    - Petersberg
    - Rosenau
    - Rothbach
    - Schirkanyen
    - Tartlau
    - Weidenbach
    - Wolkendorf
    - Zeiden

    Weidenbach von Hans Klees

    Lage und geschichtlicher Überblick
    Die siebenbürgisch-sächsische Gemeinde Weidenbach, rumänisch Ghimbav, ungarisch Vidombák, liegt im Burzenland 6 km von Kronstadt entfernt. Das Wappen von Weidenbach ist ein Herz mit drei Rosen. In einer in Kronstadt verfaßten Schenkungsurkunde wird Pfarrer Konrad von Weidenbach (domino Conrado de Widinbach) im Jahre 1342 als Zeuge genannt. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung des Ortes.
    1420 befiehlt König Sigismund den Bewohnern von Weidenbach, Petersberg, Honigberg und Brenndorf durch Zufuhr von Steinen und Bauholz bei der Befestigung von Kronstadt mitzuhelfen. Im Jahre 1422 werden Weidenbach, Wolkendorf, Heldsdorf, Brenndorf und Honigberg durch Türkeneinfall verwüstet und entvölkert. Um eine Wiederbelebung durch neue Bevölkerung zu ermöglichen, befreit König Sigismund die Orte für zehn Jahre von der Zahlung des Martinszinses.
    1469 wird Weidenbach von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. Daraufhin befreit König Matthias auf Bitten der Bewohner die Gemeinde für zwei Jahre von allen Steuern.
    In Weidenbach leben im Jahre 1510: 133 "Hauswyrt, 11 Witwen, 6 Hirten, 1 Müller, 1 Schulmeister, 1 Glöckner und 1 Schefent Dyener".
    1586 brennt Weidenbach ab. Im Jahre 1599 brennt es nochmals ganz ab, weil es "des Mihály Wode Wallachen ansteckten".
    Der kaiserliche General "Basta" lässt sich 1602 mit seinen Truppen in "Weydenbach" nieder und plündert von dort aus alle Dörfer und Vororte Kronstadts. Bastas Truppen bestehen aus Wallonen und Deutschen, die ihre Winterquartiere in Weidenbach, Neustadt und Rosenau beziehen, von wo aus sie großen Schaden anrichten.
    Im Jahre 1611 fällt Fürst Gabriel Báthori mit seinen Truppen ein und brennt Weidenbach und mehrere Burzenländer Gemeinden nieder.
    Am 25. August 1658 fallen die Türken und Tataren ins Dorf ein, plündern und morden. Die Kirchenburg wird eingenommen, 909 Menschen werden teils weggeführt, verbrannt, erstochen und gehängt. Gefangene Weidenbächer werden vor dem Klostertor in Kronstadt zum Verkauf angeboten: ein Erwachsener für 10 Taler, ein Kind für 2 Taler. Es können 155 Menschen freigekauft werden. Dies ist der Schreckenstag in der Geschichte Weidenbachs.
    Kirche und Glockenturm
    Um 1300 wird aus Tuffstein eine dreischiffige Basilika erbaut, im Osten ein Chor mit zwei Seitenräumen, im Süden eine Vorhalle, im Norden eine Sakristei und im Westen ein Turm. Dieser wird nach dem Brand am Schreckenstag vom August 1658 nicht mehr so hoch gebaut wie um 1300. Die Anlage der Seitenräume des Chores haben Ähnlichkeiten mit den Chorseitenräumen von Bartholomä, Honigberg und Halmagen. Die Südvorhalle ist von zwei Kreuzgewölben gedeckt und mit einem spätromanischen Portal versehen, das "zisterziensisch" geprägt ist.
    Im 15. Jahrhundert wird um die Kirche eine Kirchenburg errichtet. Die Anlage ist ringförmig wie auch in Petersberg, Honigberg und Tartlau und von einem Wassergraben umgeben, über den im Südosten eine Zugbrücke gelegt wurde, die von einer starken "Thorwehre" verteidigt wurde.
    Im Jahre 1642 brennt die Kirchenburg durch einen Blitzschlag nieder. 1666 wird das Rathaus in der Kirchenburg wieder aufgebaut. 1880 werden die Thorwehrbefestigungsbauten abgetragen, damit an deren Stelle das neue Rathaus gebaut werden kann.
    1940 wird der größte Teil der Vorratshäuschen im Kirchenburghof abgetragen. 1968 stürzt die Ringmauer der Kirchenburg teilweise ein. Angelockt durch Speck- und Kornkammern, hatten die Ratten die Ringmauer durchwühlt und den Einsturz verursacht. 1969-1970 werden die an die Umfassungsmauer angebauten letzten einstöckigen Magazine abgetragen.
    Der Kirchenaltar ist in klassizistischem Stil gebaut. In der Mitte befindet sich eine Christusfigur, auf der Weltkugel stehend, im Strahlenkranz. Darüber ist eine Archivolte, zu der sich das breite Hauptgesimse erhebt. Auf jeder Seite stehen drei korinthische Säulen mit schönem Architrav. Die Krönung bilden zwei Engelfiguren und ein Strahlenoval. Der Altar ist 1848 nach dem Plan des Heinrich Popp, Maler aus Kronstadt, gebaut worden. Von einem älteren Altar haben sich fünf beschädigte Holzfiguren erhalten: Der Gekreuzigte, Maria, Johannes und zwei Apostel. Sie gehören der Renaissancekunst (der Zeit um 1550) an.
    Die Orgel - 1786 wird eine Orgel mit Manual und 16 Registern von dem aus Preußen stammenden Joh. Prause gebaut. 1842 wird von Karl Schneider aus Kronstadt ein Pedal eingebaut. Der Orgelkasten ist im klassizistischen Stil gehalten und trägt am Oberrand das Ortszeichen, ein rotes Herz, aus dem drei Rosen wachsen.
    Die Glocken - 1870 werden bei der Generalkirchenvisitation fünf Glocken gefunden. Bis auf die Glocke von 1591 sind 1916 alle anderen Glocken für Kriegszwecke beschlagnahmt worden. 1923 werden neue Glocken erworben. Die große Glocke (1,15 m hoch) ist aus Stahl, mit dem Ortszeichen versehen und wird "Luther- und Honterusglocke" genannt. Die Inschrift: "Eine feste burg ist unser Gott" (Luther).
    Die Turmuhr - ist von der Firma Mannhardt, München, hergestellt worden.
    Das Schmuckkästchen des Burzenlandes
    So hieß Weidenbach, weil die Bauern jeden Morgen, nachdem die Rinder auf die Weide getrieben wurden, die Straße gossen und sauber kehrten. Die Sockel und Fensterläden an den Häusern wurden fast jährlich frisch gestrichen. Als Bischof Glondys in den dreißiger Jahren durch die Gemeinde fuhr, soll er gesagt haben: "Weidenbach ist das Schmuckkästchen des Burzenlandes."
    Charakteristisch für Weidenbach waren die "Brunnennachbarschaften". Da der Wasserspiegel über 20 m tief lag, gab es in jeder Straße nur 1-2 Brunnen, aus dem das Wasser mittels eines Speichenrades und zweier Eimer, heraufgeholt wurde.
    In Weidenbach gab es bis zur Enteignung 1945: Landwirte, im Bereich des Gewerbes: Tischler, Wagner, Zimmerer/Maurer, Schuhmacher, Handel, Sattler, Gärtner, Schneider, Bäcker, Friseure, Maler, Gastronom, Metzger, Schlosser, Schmiede, Ziegelei, zwei Mühlen: Industrie: Papierfabrik, Kammgarnspinnerei, Furnierfabrik, Flugzeugfabrik.
    Die Weidenbächer Kirchenburg ist vorgesehen, unter Denkmalschutz gestellt und restauriert zu werden. Die Stiftung "Deutsches Kulturerbe in Rumänien" und andere Stiftungen sowie die HOG Weidenbach werden sich an den Kosten beteiligen.
    Die Kirchengemeinde Weidenbach zählte im Oktober 1995 noch 102 Mitglieder, einschließlich Mischehen und der Kirche beigetretenen Nichtsachsen. Von diesen leben in Weidenbach 88 und in anderen Ortschaften 14 Personen. Die Hälfte der Gemeindemitglieder ist über 60 Jahre alt und im Ruhestand. Einige Personen erhalten von der Zeidner Küche „Essen auf Rädern“ täglich die Mahlzeiten. Heute wird neben der Kirchengemeinden Neustadt und Wolkendorf auch Weidenbach von Pfarrer Uwe Seidner betreut. Monika Toader-Rausch, Kurator der Kirchengemeinde Weidenbach hat in kurzer Zeit mit finanzieller Hilfe des Bürgermeisters und des Stadtrates von Weidenbach die Orgel komplett restaurieren, sowie die Friedhofsmauer sanieren lassen. Es besteht zwischen der Kirchengemeinde, der politischen Gemeinde Weidenbach und der HOG Weidenbach in Deutschland ein sehr gutes und freundschaftliches Verhältnis
    Die Heimatortsgemeinschaft
    Ein erster Versuch, eine HOG zu gründen, wird 1979 in Dinkelsbühl gemacht. Am 18. Juli 1981 veranstalten Grete und Waldemar Klusch, Renate und Horst Preiß, Erika und Günter Klutsch ein weiteres Weidenbächer Treffen (ca. 70 Personen). Als HOG -Vorsitzender wird Ernst Schmidts gewählt. (1981-1991) Weitere HOG Vorsitzende sind: Johann Klees (1991-2000) Brigitte Glätsch (2000-2006). Ab 2004 wird die HOG Weidenbach als e.V. weitergeführt. 2006 übernimmt Klaus Oyntzen den Vorsitz.
    Das "Weidenbächer Heimatblatt" wird von 1985 bis 1991 von Otto Dück redigiert. Hans Preidt übernimmt die Redaktion von 1991 bis 2000. Ab 2000 führen Ute Büchler und Birgit Wagner-Kirr die Redaktion weiter. Die HOG Weidenbach zählt 473 aktive Mitglieder. Das Heimatblatt erscheint halbjährlich in einer Auflage von 500 Exemplaren. 1999 erschien die von Uwe Konst erstellte Chronik der Gemeinde Weidenbach. Ein Jahr später dokumentierte Otto Dück die Entstehung und Arbeit der Weidenbächer Nachbarschaften.
    Sehr viele im Bundesgebiet lebenden Weidenbächer bezahlen ihre Grabpflege individuell und gezielt an die Pflegeperson in Weidenbach, so dass auch dies für Hausfrauen und Rentner eine kleine Hilfe bedeutet. Für die Pflege herrenloser Gräber, der Gehwege und sonstiger Gemeinschaftsaufgaben spenden die HOG und auch Besucher, die nach Weidenbach auf Urlaub fahren.
    Die großen Treffen der HOG Weidenbach finden alle drei Jahre statt. Außerdem werden jährlich 1-2mal Regionaltreffen, etwa zu Fasching und Advent veranstaltet. Die Jugendarbeit wird von der HOG gefördert und unterstützt, so dass im Zweijahresrhythmus ein Jugendtreffen, meistens an verschiedenen Orten, stattfindet. Die Blaskapelle hat sich in Deutschland wieder organisieren können und begleitet musikalisch die großen Treffen in Deutschland sowie im Jahre 2008 das Kirchenburgfest in Weidenbach. Beim ersten sowie auch beim zweiten Burzenländer Musikantentreffen war die Weidenbächer Blaskapelle gut vertreten. Mit einigen Aushilfen konnte sie altbekannte Melodien in gewohnter Klangweise aufspielen.
    An den jährlichen Heimattagen in Dinkelsbühl ist Weidenbach mit der Trachtengruppe nicht mehr wegzudenken. Mit über 25 Trachtenträgern zeigt Weidenach nun schon seit vielen Jahren die Vielfalt der Mädchen, Frauen und Männertrachten den Besuchern in Dinkelsbühl.
    aktualisiert und ergänzt von Klaus Oyntzen